Fornalutx (gespr. Fornalutsch) ist eine Gemeinde im Nordwesten der spanischen Baleareninsel Mallorca. Sie zählt 722 Einwohner (Stand: 2007), davon 468 (2006) im eigentlichen Ort Fornalutx. Im Jahr 2006 betrug der Ausländeranteil 22,5 % (161), der Anteil deutscher Einwohner 5,9 % (42). Fornalutx liegt nordöstlich von Sóller im Gebirgszug der Serra de Tramuntana.
Bereits mehrfach wurde Fornalutx zum "schönsten Dorf Spaniens" gekürt. Zu Recht! Das ockerfarbene Treppendorf am Fuße der Sierra Torrellas hat einen ganz eigenen, hypnotischen Rhythmus und der wird allein von den Treppengassen und<br/> -gäßchen bestimmt. Durch diese hohlen Gäßchen muß man kommen, ganz egal, wo man hinwill. Bedächtig schieben sich Bewohner und Besucher treppauf, treppab aneinander vorbei.
Bereits eine halbe Stunde in diesem Dorf verändert die eigene Wahrnehmung: Der Kreislauf kommt in Gang, die Lungen saugen sich voll mit klarer Gebirgsluft, die Laune steigt mit jedem Höhenmeter. Ganz im Kontrast dazu das Dorf: Eine schläfrige Stille liegt über dem Weiler; wie eine Glocke dämpft die Ruhe das Treiben in den Gassen. Es ist, als sei in Fornalutx die Zeit stehengeblieben: Eine alte Wäscherei ist noch in Betrieb, und mitten im Ort steht ein verwunschener Brunnen. Die Legende erzählt, daß jeder, der aus ihm trinkt, immer wieder nach Fornalutx zurückkehren wird.
Das beste aber ist: In Fornalutx fahren keine Autos. Die würden nämlich in den keilförmigen Straßen elendig verenden. Autofahrer parken ihre Blechkutschen lieber am Ortseingang. Seitlich an der Straße findet sich immer eine Ausbuchtung, in die man das Fahrzeug hineinzwängen kann. Es dauert eine Weile, bis sich Ohren und Nase an den Umstand gewöhnen, daß man hier weder Autos riecht noch hört. Ein merkwürdiges Gefühl: das unterschwellige Brummen und der Geruch von Oktan fehlen auf einmal - und das hinterläßt erst eine Leere, und dann ein entspanntes Wohlgefühl.
Das kleine Dorf ist schnell durchmessen. Wem der Sinn nach mehr Bewegung steht, dem sei das malerische Umland von Fornalutx empfohlen. Überall am Berg blühen Zitrusfrüchte in kleinen Gärten; drumherum liegen schmale, verästelte Wanderwege und gepflasterte Steige, über die man zu den benachbarten Weilern gelangt. Wer Glück hat, findet den Weg nach Binibassí oder Biniaraix: Beide Orte sind ähnliche Bilderbuchdörfer wie Fornalutx, nur wesentlich weniger von Touristen besucht.
Im Hamburger Abendblatt erschienen am 16. Januar 2006