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Poblat Talayòtic de S'Illot

Beschreibung | Geschichte | Einordnung des Talayotischen Dorfes von S'Illot


Poblat Talaiòtic de S'Illot
Poblat Talaiòtic de S'Illot

Der Ort S'Illot ist eine Küstensiedlung an der Cala Moreia, einer kleinen ostmallorquinischen Meeresbucht, und liegt zwischen den Siedlungen Sa Coma im Norden und Cala Morlanda an der gleichnamigen südlich anschließenden Bucht Cala Morlanda. Die drei als Touristen-Orte angelegten Siedlungen direkt am Meer gehen jeweils ohne sichtbare Grenze ineinander über. S'Illot wird dabei durch die Gemeindegrenze am Torrent de Ca n'Amer, einem Sturzbach (Torrent), zwischen den Gemeinden Sant Llorenç des Cardassar und Manacor geteilt und durch beide getrennt verwaltet.

Die prähistorischen Siedlungsreste des Talayotischen Dorfes von S'Illot befinden sich etwa 100 Meter nordöstlich des Torrent de Ca n'Amer, innerhalb des Siedlungsteils von S'Illot, der zu Sant Llorenç des Cardassar gehört. Die vollständig durch die Bauten des Touristen-Ortes umschlossene Ausgrabungsstätte hat eine Ausdehnung von ca. 8.000 m² und liegt 100 Meter entfernt von der Küste der Cala Moreia. Begrenzt wird das Areal durch die Straßen Carrer Llebeig, Carrer Gregal und Carrer Rosa dels Vents. Die Straße, die S'Illot mit dem Inselinneren Richtung Son Carrió und der Küstenstraße MA-4023 verbindet, die namentlich unbenannte MA-4021, endet direkt an der Ausgrabungsstätte. Das Gelände ist nicht umzäunt und daher frei zugänglich.


Nördliche Ansicht des Talayotischen Dorfes von S'Illot
Nördliche Ansicht des Talayotischen Dorfes von S'Illot

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Beschreibung
Das auf einer ebenen Fläche errichtete Talayotische Dorf von S'Illot wird an der Westseite durch eine Großstein-Mauer begrenzt, die einen halbkreisförmigen Grundriss aufweist. Sie umgab möglicherweise in vergangener Zeit die ganze Anlage, was bis heute jedoch nicht geklärt werden konnte. Einzelne Gebäude im Süden des Dorfes scheinen in diese Mauer integriert gewesen zu sein. Die erhaltenen Mauerreste bestehen aus großen ungefügten Steinen nach außen, die vertikal aufgestellt wurden, einem mit Schotter verfüllten Zwischenraum und mittelgroßen, waagerecht liegenden Steinen zum Inneren der Siedlung.

Einer der drei Talayot genannten Türme der Siedlung befindet sich nordwestlich außerhalb des Mauerrings. Er hat eine runde Form und einen südlichen Anbau, der den Turm mit der Außenseite der Umfassungsmauer verbindet. Die Großstein-Mauer endet auf Höhe dieses Talayot, so dass die Nord- und Westseite der talayotischen Siedlung heute offen stehen. Nur Büsche und kleine Bäume behindern von diesen Seiten stellenweise den Zugang zu den Siedlungsresten. An der Nordseite wurde seitens der Gemeinde Sant Llorenç des Cardassar eine Informationstafel mit Lageplan aufgestellt.


Lageplan
Lageplan


Westliche Umfassungsmauer

Das Zentrum der frühgeschichtlichen Anlage bildete der quadratische Haupt-Talayot, der mit seinen ungeordnet anschließenden Anbauten auf dem nordöstlichen Bereich der Ausgrabungsstätte steht. Er wurde zwischen 1960 und 1970 von Forschern der Philipps-Universität Marburg freigelegt. Neben den kleineren, häufig viereckigen Anbauten mit abgerundeten Abschlüssen weist das Zentralmonument südöstlich eine Erweiterung durch eine nierenförmige Kammer auf, unter der ein unterirdischer Gang zu einem Süßwassersee führt. Durch Um- und Anbauten späterer Epochen sind die ursprünglichen Merkmale des Haupt-Talayot nicht erhalten.

Am Südende der Ausgrabungsstätte steht der dritte Turm der talayotischen Siedlung. Er hat einen runden Grundriss mit einem westlichen Zugang vom Inneren der Siedlung. Dieser Talayot wird wie der Zentralbau von mehreren quadratischen Anbauten umgeben. Einige der Anbauten weisen die Besonderheit auf, dass sie die westliche Umfassungsmauer fortzusetzen scheinen. Gegen eine Schutzfunktion nach außen sprechen bei einigen dieser Räume jedoch die Anlage der Eingangsbereiche, die nach Süden bzw. Westen in Richtung Außenbereich der Siedlung angelegt sind. Möglich ist eine frühere Meereslage dieser Gebäude an der heute 100 Meter entfernten Küste, da das Gebiet von S'Illot in der Vergangenheit Marschland war.

Zwischen dem südlichen Talayot, dem Zentralmonument und der westlichen Umfassungsmauer sind die Grundmauern zweier Heiligtümer erhalten geblieben. Beide haben einen hufeisenförmigen Grundriss, das heißt, einer geraden Seite, an der sich der jeweilige Eingang befindet, liegt eine halbrunde Seite gegenüber. Die beiden Heiligtümer der Siedlung von S'Illot stehen einander etwas versetzt mit den geraden Seiten gegenüber. Die Überzeugung, dass es sich bei diesen Bauwerken um Heiligtümer gehandelt habe, schloss man aus ähnlichen Bauwerken anderer talayotischer Siedlungen der Insel, in denen Kultgegenstände und Reste von Opfertieren oder Ritualmahlzeiten gefunden wurden. In S'Illot fand man keine derartigen Hinweise.

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Geschichte
Zeitabschnitt des Talayotikum
Das Zeitalter des Talayotikum auf Mallorca reichte von etwa 1300 v. Chr. bis zur römischen Eroberung der Insel im Jahr 123 v. Chr. Bei der Talayot-Kultur handelt es sich um eine Megalithkultur zwischen dem Ende der Bronze- und dem Beginn der Eisenzeit, gekennzeichnet durch Turm- und andere Bauten in Großstein-Bauweise. Der Name talayot (kastilisch) sowie talaiot (katalanisch) kommt vom arabischen atalaya und bedeutet übersetzt Wachturm. Ähnliche Bauwerke entstanden in diesem Zeitraum auch auf Menorca, Korsika, Sardinien und Pantelleria. Das Talayotikum wird in vier Abschnitte eingeteilt, wobei die ersten beiden bzw. die letzten beiden dieser Zeitabschnitte zueinander geringere Unterschiede aufweisen.

Die Zeit des Talayotikum I, beginnend um 1300 v. Chr., ist gekennzeichnet durch das Aufkommen unterirdischer Grabstätten und einzelstehender Türme in besagter Megalith-Bauweise, der so genannten Zyklopen-Technik. Im Talayotikum II, ab ca. 1000 v. Chr., kamen ummauerte Einfriedungen der Siedlungen hinzu. Aus diesen beiden Abschnitten der ersten Periode der Talayot-Kultur sind Fundstücke aus gewöhnlicher Keramik, Begräbnis-Keramik, Bronze-Waffen und -Werkzeuge und bearbeitete Knochen bekannt.

In den Bodenschichten, die den Jahren nach 800 v. Chr. zugerechnet werden, fand man zusätzlich zu Keramiken und Figuren aus Bronze auch Gegenstände aus Blei und Eisen. Verschiedene Fundstücke lassen auf einen beginnenden Handel mit den Karthagern schließen, die um 654 v. Chr. eine Handelsniederlassung auf Ibiza gründeten. Die Siedlungen erhielten in diesem Abschnitt des Talayotikum III Anbauten mit rechteckigem Grundriss sowie Hypostylos-Säle (Säulensäle) und durch Ausgrabungen kann auf einen Stierkult mit Feuerbestattung geschlossen werden.

Im Talayotikum IV ab etwa 500 v. Chr. ging man zur Bestattungsform in Fötusstellung (in Kalk) über. Baulich entstanden Heiligtümer (Sanktuarien) und bei den Keramiken kamen Nachbildungen karthagisch/phönizischer und römischer Formen auf, was als Akkulturation bezeichnet wird. Die offensive Bewaffnung (Schwerter, Messer, Lanzenspitzen) sowie die Vielfalt der Werkzeuge nahmen an Bedeutung zu. Der Einfluss anderer mittelländischer Zivilisation führte zu einer allmählichen Veränderung der einheimischen Kultur, was nicht nur an den Fundstücken damaliger Haushaltsgeräte, sondern auch der spirituellen und künstlerischen Werke deutlich wird, wie zum Beispiel Helden- und Krieger-Ikonen (kleinen Statuen, bekannt unter dem Namen "Mars Balearicus").

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Einordnung des Talayotischen Dorfes von S'Illot
Anhand von C-14-Analysen von verkohlten Holzsplittern aus den unteren Bodenschichten konnten die frühesten Fundstücke der Talayotischen Siedlung von S'Illot auf die Zeit um 1100 v. Chr. zurückdatiert werden. Unter dem Haupt-Talayot gefundene Mauerzüge mit absidialem Grundriss, wobei es sich wohl um Reste von Navetas handelt, legen eine vortalayotische Besiedlung des Bereiches der Siedlung nahe. Diese vor 1300 v. Chr. errichteten Bauwerke bildeten die Fundamente für das Zentralmonument und dessen Anbauten. Die beiden runden Talayots sind der gleichen Zeit zuzurechnen, in denen der quadratische Haupt-Talayot entstand.

In einem späteren Zeitabschnitt wurde die Umfassungsmauer errichtet. Auch die hufeisenförmigen Heiligtümer sind jüngeren Datums. Einzelne Gebäude wurden nachträglich an die vorhandene Bebauung angebaut, andere Räume, wie auch der quadratische Talayot im Zentrum, umgebaut oder erweitert. Aus der heute bekannten Ausdehnung der Siedlung wird die Einwohnerzahl auf etwa 200 Menschen geschätzt. Bewohnt war die Talayot-Siedlung, mit Ausnahme einer Besiedlungslücke nach der römische Eroberung Mallorcas im Jahr 123 v. Chr., auch in spätrömischer Zeit bis einschließlich der islamischen Epoche.

Die Einwohner der Siedlung lebten hauptsächlich von Landwirtschaft und Viehzucht. Außerdem wurde Fischfang, Weichtiersammlung und Jagd betrieben. Jagdbares Wild waren damals Wildvogelarten, Rothirsche, Damhirsche, Wildschweine, Wildkatzen und Mönchsrobben. Bezeugt ist das durch die Grabungsergebnisse. Auf die Viehzucht weisen Knochenfunde von Schafen, Ziegen, Schweinen und Rindern, auf landwirtschaftliche Betätigung das Auffinden von Handmühlen, Mörsern und Stößeln hin.

Unklar ist bis heute die Einordnung der vier Talayots und eines Grabhügels, die sich verstreut auf einem Territorium etwa zwei Kilometer um die Talayotische Siedlung von S'Illot befinden. Bei den Talayots handelt es sich um Na Pol, Na Gatera, Ca n'Amer und sa Grutta, die wie in einem Bogen um S'Illot angeordnet sind und ungefähr gleiche Abstände zueinander haben. Eine Verteidigungsfunktion für die Siedlung ist nahe liegend. Von der Größe her ist S'Illot eine der bedeutendsten Ansiedlungen der Talayot-Kultur im Osten Mallorcas. Geht man in dieser Epoche von überseeischen Verbindungen aus, dürfte sie auch eine besondere Rolle beim Handel und Kulturaustausch mit den verwandten Kulturen auf den östlich Mallorcas gelegenen anderen Inseln des westlichen Mittelmeeres gespielt haben.

Quelle: Wikipedia  und Spanien Lexikon

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